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Mal was anderes...

Es hat ausnahmsweise ma nichts mit Harry Potter zu tun... Es war ne Idee, die ich natürlich sofort aufgeschrieben habe und das ist draus geworden...

Von den zehn Stockwerken hatte er noch drei vor sich, aber er verlangsamte seine Schritte nicht. Im Gegenteil, er nahm jetzt mehrere Stufen auf einmal. Er musste sich beeilen, denn er würde es sich nie verzeihen, wenn er zu spät kam. Nur noch wenige Schritte trennten ihn von der schweren Brandschutztür, durch die er direkt auf das Dach des Hochhauses gelangen würde. Er umklammerte den Griff und zog die Tür weit auf. Ein Schwall eisiger Winterluft ergoss sich über seinen Körper und brachte seine Haut zum Prickeln und seine Lungen zum Brennen. Suchend durchstreiften seine Augen die Dunkelheit, bis sie im Schein des Mondes auf einer schlanken Silhouette ruhen blieben, die dicht vorm Dachabsatz stand.

 

"Hast du eine andere? Ist es das?", fragte sie schluchzend.

Er sah in ihre vom Weinen geröteten Augen. Ein innerer Impuls drängte ihn, die einsame Träne auf ihrer Wange wegzuküssen, und es kostete ihn eine Menge Überwindung, es nicht zu tun. Er durfte es einfach nicht.

"Nein, es gibt keine andere", sage er schließlich. "Es gab nie eine andere und ich bin mir nicht sicher, ob es je wieder eine andere außer dir für mich geben wird."

Sie holte tief Luft, um dem etwas zu erwidern, doch er war schneller.

"Aber wir beide können nicht zusammen sein, wir dürfen nicht und das weißt du genauso gut wie ich, auch wenn du dein möglichstes tust, mir das Gegenteil weiß zu machen. Wir… "

Er suchte nach den richtigen Worten. Warum erschien ihm alles was er sagte so falsch? Warum hatte er das Gefühl, einen Fehler zu machen? Er gab sich einen Ruck und sprach weiter.

"Wir würden nie glücklich werden. Unsere Familien und unsere Freunde würden es nie akzeptieren."

 

"Das ist mir verdammt noch mal egal, Ich liebe dich! Wenn es sein muss, ziehe ich mit dir weg oder wir wandern aus. Wir gehen irgendwo hin, wo uns niemand kennt und fangen ein neues Leben an. Niemand muss es wissen und unsere Vergangenheit ist egal. Wir lieben uns, das ist alles, was zählt!"

Sie hatte sich in rage geredet und endlich aufgehört zu weinen, doch das machte es auch nicht besser. Ihre wunderbar zu Recht gelegten Pläne würden es nicht besser machen. Es gab keinen Ausweg.

Er fuhr sich mit den Händen durch die Haare, es war zum verzweifeln. Er liebte sie mehr als sein eigenes Leben, er würde alles für sie tun, aber er durfte ihr einfach nicht mehr nahe sein. Der Gedanke, sie als Teil seines Lebens zu verlieren brachte ihn beinahe um, und doch hatte er keine andere Wahl. Diese Beziehung war gleichzeitig das schönste, was er je erlebt hatte, aber eben auch das schlimmste, was er je tun konnte. Nie, nie hätte er nachgeben dürfen, er hätte auf sein Bauchgefühl hören sollen, dass dies kein Gutes Ende nehmen würde, dass diese Frau und die unvergesslichen Momente, die er in den letzten drei Monaten mit ihr verbracht hatte sein Leben in vollkommen andere Bahnen lenken würden.

Seine Entscheidung war bereits getroffen. Er musste es beenden, doch schon jetzt, nach nur drei Monaten, zerbrach er beinahe selber daran. Er konnte es nicht länger aufschieben, denn dann würde es nur noch schlimmer und er wusste, dass er es dann nicht mehr vollenden könnte.

 

Sie stand auf und ging um den Tisch herum, ums ich aus dem Küchenschrank ein Glas zu holen. Er beobachtete dabei jede einzelne Bewegung ihres zierlichen Körpers. Sie sah so hilflos aus, als brauche sie einen Beschützer. Das war auch damals sein erster Gedanke gewesen, als er sie zum ersten Mal getroffen hatte. Wie sie mitten in der Nacht im Park auf ihn zugelaufen kam, Hilfe suchend, weil ihr Hund sich von der leine losgerissen hatte und seit dem spurlos verschwunden war. Er hatte ihr geholfen und den Hund gefunden. Der jungen Frau hatte er indes behutsam seine Jacke über die Schultern gelegt, damit sie nicht noch mehr fror. Zum Dank lud sie ihn auf eine Tasse Kaffee zu sich nach Hause ein, damit auch er sich aufwärmen konnte. Er verbrachte die Nacht dort, denn beide waren auf der Couch in einer festen Umarmung eingeschlafen. Seit diesem Abend hatte er keine Nacht mehr alleine verbracht. Es war Liebe auf den ersten Blick.

 

Mit dem Rücken zu ihm gewand sagte sie: "Ich liebe dich."

Da war er wieder, dieser stechende Schmerz in der Brust, als würde sein Herz entzwei brechen. Er zwang sich zu reden.

"Aber genau das ist der Punkt. Wir dürfen uns nicht lieben. Nicht hier und nirgendwo sonst. Wir werden immer sein was wir sind, egal wo wir sind. Ich wünschte, ich könnte es ändern, die zeit zurückdrehen bis zu dem Moment, an dem wir nichts von all dem wussten, aber es geht nicht."

Er wusste, dass auch diese Sätze keinen Eindruck auf sie machen würden. Sie beide waren zu müde, es war spät und sie diskutierten schon seit Stunden.

Auch er stand auf und ging nun zu ihr hinüber. Als er direkt hinter ihr stand, konnte sie seinen Atem im Nacken spüren. In seinem Inneren tobte ein erbitterter Kampf zwischen Verstand und Gefühl, über die Frage, ob er sie in den Arm nehmen durfte oder nicht. Er hatte sich gerade dazu durchgerungen, ihr wenigstens tröstend seine Hand auf die Schulter zu legen, als sie sich herumdrehte und ihre Arme um ihn schlang. Er schloss seine Augen, um sich einem letzten Moment der Zärtlichkeit hinzugeben, als sie ihn vollkommen unvermittelt küsste. Ihr ganzes Gesicht war von Tränen benetzt und er konnte das Salz in ihrem Kuss schmecken. Er sträubte sich, er wollte es nicht. Er wusste, dass er nicht aufhören konnte. Und plötzlich triumphierte das Gefühl und der Verstand zog sich geschlagen zurück. Er erwiderte ihren Kuss und versank in der Vollkommenheit des Augenblicks.

 

Der Kuss dauerte eine Ewigkeit und enthielt soviel Liebe und Leidenschaft wie keiner zuvor. Sie beide wussten, dass es der letzte sein würde.

 

 

Es war drei Uhr morgens, als er in ihrem Bett aufwachte. Es hätte nicht passieren dürfen, er hätte sich besser unter Kontrolle haben müssen. Er hatte seine Hose schon in der Hand als er endlich bemerkte, dass sie nicht da war. Ihre Seite des Bettes war leer, stattdessen lag dort ein kleiner Zettel. Er las ihn und war blitzartig aus der Wohnung verschwunden. Er rannte den ganzen Weg quer durch die Stadt bis er endlich vor seinem Ziel stand, dem Hochhaus direkt am Hauptverkehrknoten der Stadt. Dem Ort, an dem in einer Minute mindestens 80 Autos die Straße überquerten. Dem beliebtesten Ort in der Stadt, um seinem Leben ein jähes Ende zu setzen. Dem Ort, der eine Sicherheitsgarantie für Selbstmörder bereithielt.

Wenn man nicht schon im Fall oder beim Aufprall sterben würde, was allein schon sehr unwahrscheinlich war, konnte man zumindest sichergehen, überfahren zu werden. Und oben, am Rande des Daches, konnte er eine zierliche, junge Frau erkennen.

 

Immer noch außer Atem ging er langsam auf sie zu.

"Tu's nicht, das ist es nicht wert… Bitte…", flehte er sie an, "Wir finden eine Lösung!"

Verzweifelt redete er auf sie ein, doch es half nichts. Ein letzter Blick in ihre grünen Augen und sie sprang.

Alles, was ihm blieb, war der Zettel mit der Aufschrift "Ohne dich geht es nicht… Ich liebe dich!" und die Gewissheit, dass er seine Zwillingsschwester, die er erst seit wenigen Monaten kannte, und gleichzeitig die Liebe seines Lebens, nie mehr wieder sehen würde.

 

29.12.07 20:35

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